Ligue des Bibliothèques Europeènnes de Recherche, Groupe des Cartothécaires de LIBER


National progress Report of Austria 1986-1988

Kartensammlung der österreichischen Nationalbibliothek
Auf dem Gebiet der Verwaltung van Landkarten und Veduten fanden innerhalb der Kartensammlung der Österreichichen Nationalbibliothek verschiedene Versuche mit Hilfe der EDV statt. So wurden mit tatkräftiger Unterstützung durch die hauseigene Planungsstelle u.a. Datenbanken für Adressen, die Sammlungskorrespondenz, die Entlehnung van Büchern sowie die Katalogisierung geschaffen und zum Teil mit überraschendem Erfolg einem Probebetrieb unterworfen. Weiters gelang es, die Vereinheitlichung bestehender Kataloge von verschiedenen Beständen als Grundlage für eine spätere computerunterstützte Katalogisierung voranzutreiben. Hand in Hand damit erfolgte eine partielle Reorganisation der Magazinaufstellung van Bestandsgruppen.

Die Kartensammlung der österreichischen Nationalbibliothek war in der glücklichen Lage, einige private Sponsoren zu finden. So erhielt sie van dem bedeutendsten privaten österreichischen Landkartenproduzenten, der Firma Freytag-Berndt & Artaria, mehr als 50 Mand- und Marsgloben geschenkt, die der deutsche Kartograph Karl-Heinz Meine in jahrelanger Tätigkeit gesammelt hatte. Ein anderes Geschenk, die älteste erhaltene Landkarte van Vorder- und Niederösterreich <1540/50), erhielt die Sammlung van dem in Loosdorf/Niederösterreich ansässigen Baustofferzeuger ‚Ytang-Au6tria', der überdies von der Karte ein qualitativ hervorragendes Faksimile herstellen ließ. Es bleibt zu hoffen. daß auch in Zukunft Sponsoren für die Kartensammlung gefunden werden können, damit sie trotz der angespannten Situation im Stande ist, wertvolle Objekte zu erwerben.

Im Rahmen der Nord-Süd-Kampagne des Europarates stellte die Kartensammlung in Zusammenarbeit mit der größeten österreichischen Bank, ‚Creditanstalt-Bankverein', eine Austellung österreichische Forschungsreisende in Übersee zusammen, die im Kassensaal des Geldinstituts drei Wochen lang zu sehen war und sehr gut bei den Fachleuten und in der Öffentlichkeit ankam. Alle wissenschaftlichen Daten wurden in einer Datebank gespeichert und sowohl für die Objektbeschriftungen als auch für die Kommentare herangezogen. Gegenwartig wird in der gleichen Weise die große nächstjährige Austellung der österreichischen Nationalbibliothek, AUSTRIA PICTA: österreich auf alten Karten und Veduten, vorbereitet.

Kommission für Landkarten- und Vedutenbearbeitung
Die innerhalb der Vereinigung österreichischer Bibliothekare etablierte Kommission besteht seit dem Frühjahr 1985 und ist auch für Archivare zugänglich. Sie tagt zweimal pro Jahr, wobei jeweils eine Tagung außerhalb von Vien stattfindet, um auf diese Weise den Mitgliedern auch Gelegenheit zu bieten, Probleme anderer Sammlungen kennenzulernen. Programmschwerpunkte sind gegenwärtig:

  1. Eine Fragebogenaktion zur Ermittlung österreichischer Landkarten- und Vedutensammlungen
    Die Fragebogen wurden nach der van Lothar Zögner fur die Bundesrepublik Deutschland entworfenen Vorlage konzipiert, aber entsprechend den österreichischen Erfordernissen etwas abgeändert. Die Gestaltung erfolgte mit Hilfe der EDV, mit der auch die Auswertung durchgeführt werden soll. Von etwa 250 ausgesandten Exemplaren wurden inzwischen knapp über 100 verwendungsfähig zurückgeschickt. Infolge personeller Engpässe sowie anderer vorangiger Aufgaben verzögerte sich die weitere Bearbeitung. Doch sollte die Auswertung spätestens 1989 abgeschlossen sein.
  2. Ausbildung von Kartenbibliothekaren
    Verhandlungen über eine Ausbildung für Bibliothekare, die es an ihren Instituten schwerpunktmäßig mit Landkarten bzw. Veduten zu tun haben, finden seit einiger Zeit statt. Dabei zeichnet sich eine Lösung ab, die auf eine Zweiteilung abzielt, nämlich eine Vermittlung van Grundkenntnissen innerhalb der vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung veranstalteten Bibliothekarausbildung einerseits, sowie eine Weiterbildung, die in Form von Kursen angeboten werden soll. Für letztere ware die Vereinigung österreichischer Bibliothekare zuständig. Als Vortragende sollen neben Bediensteten von Kartensammlungen auch Hochschullehrer und Kartenproduzenten gewonnen werden. Eine erste solche Veranstaltung für ca. 12 bis 15 Kandidaten könnte innerhalb von eineinbalb Jahren zustande kommen.
  3. Katalogisierung von Landkarten
    Besonderes Augenmerk gilt der Katalogisierung von Landkarten und Veduten mit ihren verschiedenen Eigensetzlichkeiten. Vor allem während der letzten Sitzung anläßlich des 20. österreichischen Bibliothekartages in Linz wurde über dieses Thema intensiv dis kutiert. Dabei ergab sich die überwiegende Meinung, daß für Karten, im Unterschied zu Büchern, weniger die formale als vielmehr die sachliche Erschließliesung im Vordergrund stehen müßte.

    Franz Wawrik, österreichischen Nationalbibliothek, Wien


    Back to GdC Homepage