Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, Groupe des Cartothécaires de LIBER


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Ergebnisse der Tagung

Helga Hühnel-Fischer, Elisabeth Zeilinger, Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung-Globenmuseum, Wien

© LIBER and author
Published from: Bulletin Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, 37(1990)


Vom 6.-10. Oktober 1986 fand in Wien die 5. Konferenz der LIBER Gruppe der Kartenbibliothekare statt. In sieben Arbeitssitzungen wurden zum Generalthema: Die Lagerung von Landkarten unter Berücksichtigung konservatorischer Aspekte Vorträge und Diskussionen abgehalten.

Um die Problemstellungen besser spezifizieren zu können, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, mit Hilfe von Fragebogen den gegenwärtigen Zustand, die praktischen Erfahrungen sowie die Bedürfnisse für die Zukunft zu erheben.
Die IFLA Geography and Map Library Section entwickelte einen Fragebogen vor allem zu Raum- und Einrichtungsaspekten. Die Auswertung soll in konkreten Richtlinien und einem Handbuch zur Einrichtung und Raumplanung von Kartensammlungen münden. Im Februar 1985 verschickte LIBER, Groupe de Cartothécaires, einen Fragebogen, der sich mit Organisation, Ausbildung und neuen Tendenzen im Bereich der europäischen Kartenkuratoren beschäftigt. In Schweden ging man daran, durch eine Fragebogenaktion Informationen bezüglich Konservierung und Restaurierung zu gewinnen, um so über eine generelle Analyse zu spezifischen Projekten und Problemlösungen zu gelangen.

Obwohl gerade dieser Themenbereich äußerst komplex ist, zeigte es sich, daß man europaweit mit ähnlichen Problemen zu kampfen hat. Auch die breite Kluft zwischen Theorie und Praxis -man weiß ja was zu tun wäre, aber es fehlt an Platz, finanziellen Mitteln, Persollal etc.- wurde von vielen Vortragenden betont.

Gerade im europäischen Raum kann davon ausgegangen werden, daß der größte Teil der Bibliotheken und Archive durch jahrhundertelange Sammeltradition historisch gewachsen ist, und sich gerade aus diesem Umstand eine Vielzahl von Problemen ergeben. Dazu kommt noch, daß kartographische Objekte immer stiefmütterlich behandelt wurden, einfach deshalb, weil sie durch ihr Format, das Problem der Zuordnung und Erschließung andere und kompliziertere Anforderungen an den Bibliothekar bzw. Archivar stellen. Die lange Zeit praktizierte Vernachlässigung kartographischer Materialien wirkt sich bis heute in Form von eklatanter Raumnot und der Unmöglichkeit zu expandieren aus. Einhellig wurde dies beinahe von allen Tagungsteilnehmern betont. Da einer wirklichen Lösung des Problems meist budgetäre Hindernisse im Wege stehen, sucht man europaweit nach platzsparenden und ökonomischen Möglichkeiten der Lagerung.

Bedingt durch die sich beinahe schon übera11 durchgesetzte Forderung nach einer planen Aufbewahrung standen vor allem die Vertikal- bzw. Horizontallagerung zur Debatte. In der breit angelegten Diskussion kristallisierte sich heraus, daß vertikal meist neuere Karten platzsparend aufbewahrt werden konnen. Schonender freilich ist die Horizontallagerung, die zwar mehr Platz und eine höhere Bodenbelastbarkeit verlangt, aber vor allem für alte wertvolle Bestande als günstig empfohlen wurde. Ausführlich behandelt wurden Größe, Format, Material von Kartenschränken, da einerseits eine optima1e Platzausnützung und andererseits eine objektschonende Lagerung und Manipulation gewahrleistet sein muß.

Eng damit verknüpft ist der Themenkreis Konservierung. Hier wurde vor allem für säurefreie Mappen, geringe Objektanzahl pro Mappe, flache Laden und Vorrichtungen gegen das Eindringen von Staub plädiert. Eine wichtige Schutzmaßnahme stellen Mikrofilm und Mikrofiche für alte und wertvol1e Bestande dar. Großformatige und kostbare Karten müssen nur noch in den seltensten Fallen ausgehoben werden; damit verringert sich die Beschädigungsgefahr durch Manipulation und Transport. Reproduktionswünsche können somit jederzeit erfüllt werden, ohne das Original schädlichen Umwelteinflüssen aussetzen zu müssen. Mikrofilme oder Fiches können anderen Institutionen zur Verfügung gestellt werden. In manchen Kartensammlungen ging man schon dazu über, Mikrofiches zur Vervollständigung von Katalogaufnahmen heranzuziehen, und dem Benutzer damit eine Entscheidungshilfe anzubieten.

Die Voraussetzung für eine dauerhafte Konservierung bildet jedoch ein konstantes Klima. Hier wurden als Richtwerte 18° C und 50% Luftfeuchtigkeit genannt.

Im Zentrum der Ausführungen vieler Vortragender standen die verschiedenen Restaurierungsmöglichkeiten in den diversen Bibliotheken und Archiven. Als die am häufigsten auftretenden Schäden wurden genant: Schmutz, Risse, Befall durch Mikroorganismen, säurehaltiges Papier, Tinten- und Kupferfraß sowie durch Benutzung verursachte Beschädigungen. Fast überall ist der Wunsch nach einer hausinternen Restauriermöglichkeit vorhanden, weil viele Objekte zu wertvoll sind, um außer Haus gegeben zu werden. Der Trend zu reversiblen Restaurierverfahren und natürlichen Materialien wie Japanpapier, Wasser, neutralen Seifen etc. ist überall bemerkbar.

Trotzdem individuell und exemplarisch anhand einzelner Bibliotheken und Archive die gegenwärtige Situation sowie die Vorstellungen für die Zukunft erläutert wurden, ist zu hoffen, daß die Vorträge, Diskussionen und der private Meinungsaustausch im Rahmen der 5. LIBER-Konferenz der Kartenbibliothekare einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Lösung der gemeinsamen Probleme darstellt.


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