Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, Groupe des Cartothécaires de LIBER
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Worin besteht nun die Kompliziertheit gerade dieses Themas? Ursprünglich waren Bibliothekare bei der Gründung von Kartensammlungen der Meinung gewesen, die Anschaffung geeigneter Regale oder Schränke für Karten und eventuell eine Sonderaufstellung wurden genügen; sie waren nicht bereit, Karten einen Sonderstatus innerhalb des bibliothekarischen Sammelgutes einzuraumen. Doch allmahlich mußten sie -wenn auch oft widerwillig- die weitgehende Andersartigkeit kartographischer Objekte gegenüber Büchern anerkennen. Karten als im wesentlichen zweidimensionalen Gegenständen fehlt der Schutz, den der Buchblock der einzelnen Buchseite bietet. Sie sind infolgedessen weitaus verletzungsanfälliger; man muß im Umgang mit ihnen weitaus vorsichtiger verfahren. Das bedeutet aber, daß der optimalen Lagerung in zweckmäßigen Depots und Schranken größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Dennoch kann es -auch bei größter Sorgfalt zu Beschädigungen kommen. Daher kommt dem Konservieren und Restaurieren von Karten eine ungleich höhere Bedeutung als dem der Bücher zu, auch wenn dies bisher den ‚Buchbibliothekaren' nicht eindringlich klargemacht werden konnte. Über die Restaurierung großformatiger Einzelblätter gibt es eine große Zahl von Publikationen, über die Konservierung hingegen nur sehr wenige brauchbare Veröffentlichungen.
Hier solI kursorisch nur ein Bruchteil der Probleme aufgezeigt werden. Beschäftigen wir uns zuerst eimal mit der Aufbewahrung der Kartenblätter. Dabei spielt ihr Format eine beträchtliche Rolle; mit zunehmen- der Größe wachsen auch die Schwierigkeiten. Praktischerweise kann unterschieden werden zwischen kleinen Blättern im Format von Atlaskarten, Blättern bis zum Format A0, für deren Lagerung es im Handel erhältliche Schränke gibt, sowie übergroße Karten, deren günstigste Aufbewahrungsart bisher noch umstritten ist. Alte Karten dieses Formats waren die langste Zeit (und sind es zum Teil noch heute) um einen Holzstab gerollt; sie sind gewöhnlich auf einem geschmeidigen Untergrundmaterial (meistens Leinen aufgeklebt).
Als erstes muß die Frage der Umhüllung des Sammelgutes gestellt werden. Sie muß aus neutralgeleimtem, holzfreiem Papier bestehen, das etwas Calciumkarbonat enthalt (1). Aus dieser vorläufigen, bei weitem nicht vollständigen Antwort ergeben sich unmittelbar zahlreiche neue Fragen: wie jene nach der Stärke dieser Umhüllungen - je stärker, desto schonender sind sie, aber auch schwerer (was bei einer horizontalen Lagerung nicht übersehen werden sollte) und platzaufwendiger (was in Anbetracht der üblichen Raumnot gleichfalls einen beträchtlichen Nachteil bildet). Häufig werden wertvolle Karten in Schachteln aufbewahrt. Dies erfordert allerdings gößte Sorgfalt des Magazinpersonals beim Herausnehmen und Zurücklegen der Objekte, da sonst allzubald Beschädigungen an den Blatträndern auftreten werden. Nicht gerade schonend, aber weit verbreitet, sind Schuber, in die die Kartenblätter hineingeschoben werden müssen, was häufig nicht ohne Verletzungen abgeht.
Eine Frage, die heftig diskutiert wird, lautet: horizontale oder vertikale Aufbewahrung der Blätter. Beide Anschauungen haben ihre Befürworter und Gegner. Immerhin scheinen sich beide Gruppen wenigstens dahingehend geeinigt zu haben, daß sie für alte bzw. kostbare Objekte die waagrechte Lagerung bevorzugen. Für moderne Karten, vor allem wenn sie gleiches Format besitzen, bietet die senkrechte Aufbewahrung -insbesondere wegen ihrer Platzersparnis- gewisse Vorteile. Dabei scheint es jedoch in hohem Maß auf das verwendete System anzukommen.
Die Wahl der geeigneten Kartenschränke bietet dem verantwortlichen Kartenkurator zweifellos arges Kopfzerbrechen. Die gewünschten Eigenschaften sind beträchtlich: Leichtheit, großes Fassungsvermogen, Stabilität, leichte Beweglichkeit der Laden, Schaffung eines für den Inhalt günstigen Mikroklimas, Abhaltung schädlicher Einflüsse von außen wie Mikroorganismen, Staub, Schadstoffe der Luft, Schutz vor Bränden oder Überschwemmungen (z. B. vor Löschwasser) etc. Die traditionelle finanzielle Notlage in den füir Einrichtungen vorgesehenen Bibliotheksbudgets wird in den meisten Fallen beim Ankauf von Kartenschränken ohnehin nur Kompromisse zulassen. Ein Glücksfall, wie er der Universitätsbihliothek Leiden widerfuhr, wo geeignete Repositorien geplant und danach die Produktion in großer Zahl in Auftrag gegeben werden konnte, ist leider als große Ausnahme anzusehen. Im Normalfall muß man mit Normschränken das Auslangen finden, die allerdings die für wertvolle Karten erforderlichen Schutzeinrichtungen nur in sehr bedingtem Ausmaß aufweisen. Die optimale Höhe von Kartenschränken ware wohl etwa 100 cm, weil dabei einerseits das Herausnehmen und Wiedereinstellen von Mappen und Karten noch einigermaßen zu bewerkstelligen ist, andererseits an der Oberfläche große, für den Umgang mit Kartenblättern unbedingt notwendige Arbeitsflächen vorhanden sind. Die drastische Raumnot erzwingt aber häufig ein Aufstocken der Schränke, manchmal sogar auf über zwei Meter, was vom Personal oft halsbrecherische, artistische Aktionen beim ‚handling' erfordert, Aktionen, die zweifellos auch dem Schutz der Kartenblätter nicht unbe dingt förderlich sind.
Mit diesen kurzen Erwägungen kann die Problematik der Kartenschränke bestenfalls angerissen werden. Kommen wir aber zum nächsten schwierigen, oft diskutierten, aber keinesfalls geklarten Kapitel, den übergroßen Karten, die Breiten und Höhen von mehreren Metern erreichen und in keine handelsüblichen Behälter passen. Hier kann man weltweit in Kartensammlungen die vielfältigsten Aufbewahrungsarten feststellen. Derartige Karten findet man gerollt, gehängt, waagrecht gelegt, zerschnitten oder in Einzelblätter zerlegt oder gar nur eingeschnitten, um eine Fallung zu ermöglichen. Alle diese Varianten weisen Vor- und Nachteile auf. Alle Kartenkuratoren preisen, die von ihnen gewählte Methode als die bestmögliche und schonendste für die Objekte, viele geben aber zu, daß eine hundertprozentig befriedigende Art der Lagerung bisher noch nicht gefunden werden konnte. Alte Karten (etwa Schulwandkarten) weiterhin in der herkommlichen Manier um einen Holzstab eng gerollt zu belassen, erscheint eher ungünstig, da in vielen Fallen der alte Kleister, mit dem die Kartenblätter auf der Untergrundleinwand kaschiert sind, eingetrocknet ist, was das Aufrollen erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Literatur Baynes-Cope, Arthur D.: Die Sorge um Bücher und Urkunden. Deutsche Bearbeitung von Helmut Bansa. Zeichnungen von Karl Jäckel (Lingen 1984) 87.