Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, Groupe des Cartothécaires de LIBER


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Die Aufbewahrung der Karten in der Zentralbibliothek Zürich

Hans-Peter Höhener, Zentralbibliothek, Kartensammlung, Zürich

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Published from: Bulletin Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, 37(1986)

SUMMARY

Die Zentralbibliothek Zürich, eine öffentliche Stiftung, getragen von Stadt und Kanton Zürich, entstand 1914 aus dem Zusammenschluß der Stadtbibliothek, der Kantonsbibliothek und einiger Gesellschaftsbibliotheken, wie z. B. der Bibliothek der Naturforschenden Gesell- schaft. Heute ist sie Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek und mit etwa 2,6 Millionen Sarnmlungsgegenständen neben der Bibliothek der Eidgenossischen Technischen Hochschule die größte derartige Institution in Zürich. Diese beiden Bibliotheken sind wiederum die beiden größten der Schweiz. Beide besitzen Kartensammlungen, die Zentralbibliothek eine alte traditionsreiche, die ETH-Bibliothek eine moderne, erst 1972 gegründete. Die Kartensammlung der Zentralbibliothek ist hauptsächlich auf topographische Karten spezialisiert, die ETH-Bibliothek auf thematische Karten, wobei eine absolute Trennung nicht möglich ist (1).

Die wichtigste Vorläuferin der Zentralbibliothek war die Stadtbibliothek, die schon seit ihrer Gründung im Jahr 1629 Karten sammelte. Im 19. Jahrhundert vergrößerte sich die Kartensammlung dieser Institution beträchtlich durch Geschenke privater Sammler. So war z. B. 1850 in Zürich der Kartenverein von Privatleuten gegründet worden, um gemeinsam die besten Karten erwerben zu können. Sie legten ihr Geld sehr sorgfältig an und sorgten auch für eine gute Aufbewahrung der Karten. Neue Kartenschränke wurden nach sorgfältiger Prüfung gekauft und an einem geeigneten Ort aufgestellt.

Hermann Escher, Direktor der Stadtbibliothek, erreichte den Zusammenschluß der wichtigsten Zürcher Bibliotheken unter dem Namen Zentralbibliothek. Diese bezog 1917 einen großzügig geplanten Neubau, der für die nächsten fünfzig Jahre, also bis etwa 1967 genügend Raum für die Sammlungsgegenstände bieten sollte.

Während der Wirtschaftskrise galt der damals weit verbreitete Grundsatz, daß sich die Kartensarnmlung aus eigenen Mitteln zu erhalten hätte, also durch Tausch und Verkauf von Dubletten und nicht zum eigenttichen Sarnmelbereich gehorender Bestände.

Anfangs der dreißiger Jahre besserte sich die Situation. Auf Anregung von Prof. Imhof wurde die Kartensammlung auf eigene Beine gestellt, sowohl finanziell wie auch personell, wobei die durchaus noch bescheidenen Finanzen -mindestens 1.000 sFr. Jährlich- je zur Hälfte von der Zentralbibliothek und der Geographischen GeselIschaft aufgebracht wurden.

Um Platz zu gewinnen, wurden 1950 alle Karten aus der Zeit vor 1900 -insgesamt 160 Mappen- in den Dachboden verfrachtet, wo denkbar ungünstige Temperaturverhältnisse herrschten, große Hitze im Sommer, eisige Kalte im Winter. Schon ein Jahr später wurde diese Umlagerung wieder rückgangig gemacht (2).

1963 übernahm schließlich Georg Bührer neben zahlreichen anderen Aufgaben auch die Leitung der Kartensammlung. Er ergriff sofortige Notmaßnahmen und arbeitete auch an einer längerfristigen Lösung für die Raumprobleme der Kartensammlung unter maßgebender Beratung von Professor Arthur Dürst. 1971 erhielt die Kartensammlung erstmals einen eigenen Raum im 2. Stock von 55 m2 Große (6,30m x 8,80m), der zugleich als Lesesaal, Arbeits- und Depotraum in Verwendung ist. Erste Planschränke wurden 1972 aufgestellt. Nach Begutachtung von verschiedenen horizontalen und vertikalen Planschränken aus Stahl wurden schließlich 19 Schränke des Typs E 14 (110,5 cm x 75 cm x 132,5 cm [B x T x H]) und 12 Schränke des Typs E 03 (146,5 cm x 107,5 cm x 100 cm) der Firma Lista in Erlen (Thurgau) erworben. Die Kosten pro Schrank betrugen ca. sFr. 2.500,--.

1981 änderte die Firma ihre Modelle. Der Typ E 14 erhielt das Format DIN A 1 (110 cm x 78,2 cm x 132,5 cm = neue Bezeichnung: Typ E 514). Von diesen Schränken wurden weitere vier angekauft. Der Typ E 03 wurde an das Format DIN A 0 (146 cm x 110,8 cm) angepaßt. Die Höhe wurde von 100 cm auf 70 cm reduziert. Um die frühere Hohe zu erreichen, muß nun ein Schrank von 70 cm Höhe (Typ E 502) mil einem von 40 cm Höhe (Typ E 501) verschraubt werden. In den neuen Modellen wurde die Nutzhöhe der Schubladen von 3,5 cm auf 3,1 cm reduziert. Die Tragfähigkeit bei gleichmäßig verteilter Last wird pro Schublade mit 60 kg angegeben, was bei einem Schrank mit 24 Schubladen maximal 1.440 kg ergibt (3).

Heute verfügt die Kartensammlung über 35 Kartenschränke, wovon neun im Arbeitsraum stehen und die übrigen auf zwei Stockwerke des Stiegenhauses und ein Büro im 3. Stock verteilt sind. Die Karten werden in den Planschranken in säurearmen, speziell lackierten Umschlagen aufbewahrt, wobei etwa 30-50 Karten in einem Umschlag liegen. Als wichtiger Vorteil beim Kauf der Stahlschränke wurde die Verschließbarkeit und damit die erhöhte Sicherheit des Inhalts angegeben. Zudem können horizontale Schränke als Ablageflächen dienen. Als Nachteil erweist sich die Durchlässigkeit von Staub. Durch Locher, die für das Einsetzen von Zwischenwänden vorgesehen sind, und durch Ritzen dringt Staub ein. Da sich die Kartensammlung neben eine verkehrsreichen Straße befindet, wird der Staub mit dem Blei und Öl der Autoabgase angereichert.

Heute ist in der Bibliothek kein Platz mehr für neue Stahlschränke vorhanden. Um größere Mengen von neuen Karten aufbewahren zu können, müssen die am wenigsten gebrauchten Karten in Mappen versorgt und anderswo untergebracht werden. 1980 wurden auch erstmals Kartenmappen ausge1agert. Glück1icherweise stehen seit 1983 auch die alten P1anschränke aus Holz des Staatsarchivs zur Verfügung. Dahin wurden jene Kartemappen ver1agert, die info1ge von Übereinanderstapelung unbenützbar waren, und weitere Bestände, die einer Ausdehnung der Bücherbestände im Magazin weichen mußten. Gegenwärtig werden 60% der Karten in Stahlschränken aufbewahrt, der Rest in Mappen und zu einem kleinen Teil in Kartonschachteln.

In der Kartensammlung herrscht Personalmangel; für jährlich über 1.000 Benützer stehen ein Akademiker und ein Diplombibliothekar je halbtags zur Verfügling. Am 28. September 1986 wurde in einer Volksabstimmung ein Kredit von insgesamt 72 Millionen Franken durch die Stadt und den Kanton Zürich für den Erweiterungsbau der Zentralbibliothek bewilligt. Es ist vorgesehen, die Kartensammlung in den untersten Stock des Stammgebäudes, das in der heutigen Form erhalten bleibt, zu verlegen. Die neuen Benützungs-, Arbeits- und Magazinräume in diesem Stockwerk umfassen 235 m2. Dazu ist ein unterirdisches Kartenmagazin von etwa 100 m2 -genauer Standort und Größe sind noch nicht bestimmt- vorgesehen, das durch einen Lift mit der Kartensammlung verbunden sein soll. Die wertvollsten Karten werden im Kulturgüterschutzraum unter kontrollierten klimatischen Bedingtingen aufbewahrt werden.

In etwa acht Jahren soll der Erweiterungsbau fertiggestellt sein, und damit wird die Kartensammlung endlich den ihr zukommenden Platz innerhalb der Bibliothek erhalten.

Nachtrag 1990: 1989 mußBte die Kartensammlung wegen des Erweiterungsbaues in die Graphische Sammlung übersiedeln, da die Planungsabteilling ihre Räume benötigte. 1990 wurden die Magazine der Zentralbibliothek abgebrochen, nachdem vorher die Altbestände in ein neu erstel1tes Büchermagazin der Eidgenossischen Technischen Hochschule (ETH) und die ausleihbaren Werke in zwei Zeughäuser der leerstehenden Kaserne Zürich ausgelagert worden waren. Die Karten blieben zum größten Teil im stehengebliebenen Stammhaus, wobei nun auch die früher im Lesesaal der Kartensammlung befindlichen Stahlschränke im Stiegenhaus aufgestellt wurden. Einige Kartenmappen konnten im schon erwähnten Büchermagazin der ETH üntergebracht werden. Dieses Provisorium wird bis ca. 1994/95 dauern.

Anmerkungen
(1) Über die Kartensammlung der Zentralbibliothek siehe Höhener, Hans-Peter: Die Kartensammlung der Zentralbibliothek Zürich. In: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1977, s. 62-86.

(2) Vgl. Jahresberichte der Kartensammlung 1950 und 1951 (ungedruckt).

(3) Preise 1987: Typ E 502: Gehäiuse und 12 Schubladen: sFr 2.905,--; Leergewicht ca. 350 kg. Typ E 514: Gehäiuse und 24 Schubladen: sFr 3.722,--; Leergewicht ca 450 kg.


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