Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, Groupe des Cartothécaires de LIBER


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Probleme der Aufbewahrung und Konservierung von Karten an einer kleinen Fachbibliothek am Beispiel der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt

Tillfried Cernajsek, Geologische Bundesanstalt, Kartensammlung, Wien

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Published from: Bulletin Ligue des Bibliothèques Europeénnes de Recherche, 37(1986)

SUMMARY IN ENGLISH

Die Kartensammlung der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt in Wien ist erst seit 1975 ein integrierter Bestandteil dieser Bibliothek. Vorher wurde seit der Gründung dieser wissenschaftlichen Anstalt im Jahre 1849 die Kartensammlung von der Fachabteilung Kartographie und Reproduktion verwaltet.
Der Mangel an ausgebildetem Personal, außerdem an geeignetein Raum zur Aufbewahrung und Erhaltung der Objekte sowie unzulängliche Aufbewahrungsmittel haben den Beständen der Kartensammlung arg mitgespielt.
Bedauerlicherweise mußte anläßlich der Übernahme der Kartensammlung durch die Bibliothek im Jahre 1975 festgestellt werden, daß die übernommenen Bestände schwer gelitten hatten. Die Kartenmaterialien waren systematisch (nach geographischen Kriterien) abgelegt. Mußte ein Kartenwunsch erflült werden, so war es notwendig, hunderte Blätter durchzusehen, bis man das gewünschte Blatt fand. Durch diese aufwendige Sucharbeit kam es natürlich zu irreversiblen Beschädigungen.

Um das sehr wertvolle Kartenmaterial -überwiegend geowissenschaftlichen Inhalts- zu sichern, waren folgende Maßnahmen notwendig:
  1. Aufstellung der Karten nach Forlmaten und Umfang der Kartenwerke.
  2. Inventarisierung, Katalogisierung und Anlage einer Fortsetzungskartei für Kartenwerke.
Zur wesentlichen Verbesserung der Situation in Hinblick auf die Erhaltung und Konservierung der Kartensammlung der Geologischen Bundesanstalt wären zusätzlich weitere Maßnahmen erforderlich:
  1. Die Anstellung eines Kartenbibliothekars, der ausschließlich mit der Bearbeitung von Kartenmaterialien befaßt ist.
  2. Die Herstellung einer Mikrofilmkartei des gesamten Kartenmaterials. Der Leser sollte anhand der Lichtbilder erst entscheiden müssen, welches Kartenblatt er wirklich benötigt. Ein solches visuelles Informationssystem ist als Ergänzung zum ADV-gestützten Informationssystem der Geologischen Bundesanstalt, GEOKART, geplant. Bisher scheiterte die Durchführung am Personalmangel.
  3. Die Errichtung eines neulen, zweckmäßigen Ablagesystems, wovon nun nachstehend ein Plan vorgestellt wird.
Die Kanensammlung der Geologischen Bundesanstalt sammelt ausschließlich geowissenschaftliche Karten und Kartenwerke, die sie zumeist durch Tausch mit anderen Geologischen Diensten in aller Welt erwirbt. Der Anteil an topographischen Karten beschränkt sich auf Osterreich, bzw. auf das Gebiet der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis 1918. Schatzungsweise -da noch nicht alle Bestände erfaßt sind- werden im Bereich der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt 40.000 bis 45.000 geowissenschaftliche Karten aufbewart. Ein Teil der Karten, das ist jener Teil, der von den Hausgeologen ins Gelande mitgenommen werden darf, ist auf Leinwand aufgezogen. Diese Bestände sind in Kistchen und diese wieder in Stahlschränken untergebracht.

Der Großteil der Karten ist nicht auf Leinwand aufgezogen. Die alten Bestände und Zugänge bis 1960 wurden in Kartonmappen abgelegt, die in offenen Holzstellagen im Verlagsmagazin liegen. Dort sind sie der direkten Sonnenbestrahlung und Verstaubung völlig ungeschützt ausgesetzt. Die Neuzugänge nach 1960, bzw. Bestände, die katalogisiert und neu aufgestellt werden, sind in Ladenschränken, in Holztabularschränken oder Hängeschränken untergebracht. Dort sind die Karten vor direktem Lichteinfall und auch einigermaßen vor allzu starker Staubeinwirkung geschützt. Es laßt sich allerdings eine schädigend wirkende mechanische Beeinflüssung nicht verhindem, die sich beim Ablegen, beim Heraussuchen und bei der Bewegung der Laden, Tabulare und Klemmapparate ergeben. Bei den Hängeschränken erzeugt der Bügeldruck des Klemmapparates einen irreversiblen Bug und die Einreißgefahr ist hier am größten. Ein weiterer erheblicher Nachteil ist, daß schon vier verschiedene Typen von Hängeschränken in Verwendung stehen. Da in den Hängeschränken ausschließlich Kartenserien aufbewahrt werden, die naturgemäß stetig wachsen, ist das ständige Wechseln von Klemmapparaten und Schränken unvermeidbar. Der Hauptmangel bei Ladenschränken ist, daß die Vorderwand der Laden starr ist. Wäre das nicht der Fall, so konnte bei abklappbarer Vorderwand das Kartenmaterial schonender behandelt werden.
Die Ablagemöglichkeiten von Karten sind gegenwartig an der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt völlig erschopft. Für die Anschaffung weiterer Hängeschränke fehlen sowohl die Mittel, als auch der Platz fur deren Aufstellung.

Der Ausweg aus dem gegenwärtigen Mißstand kann daher nur durch eine räumliche Umgestaltung in den Räumen der Fachabteilung Bibliothek & Verlag gefunden werden. Der Umstand, daß derzeit das gesamte Dienstgebäude der Geologischen Bundesanstalt eine neue Heizanlage erhält, ermöglicht eine bessere Raumausnützung des ohnehin denkma1geschützten Gebäudes. lm gegenwärtigen Bibliothekssaal ist die Errichtung einer Mobilregalanlage ("system compactus") vorgesehen, die von einer österreichischen Firma bereits geplant wurde. Auf einer Stellfläche von 12,25 m x 3,8 m könten in 6 festen und 30 fahrbaren Regalen mit 612 Tabularen (Laden ohne Vorderwand) bis zu 100.000 Kartenblätter auf schonendste Weise abgelegt werden. Die Kosten werden ca. öS 1,5 Millionen betragen. Die Errichtung dieser Anlage soll bereits 1987 erfolgen, wobei von bautechnischer Seite kein Einwand erhoben wurde.

Literatur
Cernajsek, T. und Schnabel, W.: Stand und Entwick1ung von geowissenschaft1icher Dokumentation und Information in der Geologischen Bundesanstalt. In: Daten - Dienste -Dokumente, 2 (Wien 1978) 163-171.

Cernajsek, T .: Die Kartensamm1ung der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt in Wien. In: Biblos, 30 (Wien 1981) 27-39.

Cernajsek, T.: Die bibliothekarische Behandlung von "Archivmaterialien" an wissenschaftlichen Bibliotheken am Beispiel der Bibliothek der Geologischen Bundesanstalt (Wissenschaftliches Archiv). Ein Arbeitsbericht. In: Jahrbuch. Geologische Bundesanstalt, 127 (Wien 1984) 321-329.


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